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31.12.2025 · 4 min

KI-Vorsätze 2026: Was KMU sich wirklich vornehmen sollten

Kein Hype, keine leeren Versprechen: Was österreichische KMU 2026 mit KI konkret angehen sollten — mit Schritten, die tatsächlich funktionieren.

Jahreswechsel und KI: Das bekannte Muster

Jedes Jahr dasselbe Bild. Die letzten Tage im Dezember, ein paar ruhigere Stunden — und plötzlich taucht die Frage auf: Was machen wir eigentlich mit KI?

Häufiges Muster: Man nimmt sich im Jänner etwas Großes vor. Eine KI-Strategie. Eine Digitaloffensive. Bis März läuft der Alltag wieder über alles drüber, und im Dezember steht man wieder am selben Punkt.

Das ist kein Versagen. Das ist schlechte Planung.

Für 2026 schlage ich einen anderen Ansatz vor: kleiner denken, konkreter werden, schneller umsetzen.


Was 2025 gezeigt hat

Wer 2025 mit KI experimentiert hat, kennt die Ergebnisse. Ein grober Überblick aus meiner Beratungspraxis:

  • Texterstellung und E-Mail-Vorlagen: funktioniert, spart 30–60 Minuten pro Tag bei konsequenter Nutzung
  • Protokolle und Zusammenfassungen aus Meetings: funktioniert, wird aber selten zur Gewohnheit
  • Komplexe Analysen ohne Vorbereitung: funktioniert schlecht, weil die Eingaben zu unstrukturiert sind
  • Vollständige Automatisierung von Prozessen: in den meisten KMU noch nicht realistisch ohne externe Unterstützung

Die Erkenntnis: KI ist kein Selbstläufer. Sie ist ein Werkzeug, das man führen muss.


Drei realistische Vorsätze für 2026

1. Eine einzige Routine etablieren — und die halten

Nicht fünf Dinge auf einmal. Eine Sache.

Typisches Beispiel: Jeden Morgen den Tagesplan als kurzen Text in ein KI-Tool eingeben und eine strukturierte To-do-Liste zurückbekommen. Klingt banal. Aber wer das 50 Wochen lang macht, hat am Jahresende etwa 200 Stunden anders gearbeitet als zuvor.

Die Wahl der Routine ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass sie zum eigenen Arbeitsalltag passt. Mögliche Einstiegspunkte:

  • Angebotstexte als Rohfassung von KI schreiben lassen, dann selbst überarbeiten
  • Wöchentliche Berichte aus Rohdaten zusammenfassen lassen
  • Kundenanfragen vorsortieren und mit Antwortvorschlägen versehen lassen

Eine Routine pro Quartal etablieren. Wer im März eine hat, kann im Juni die zweite angehen.

2. Einen internen KI-Ansprechpartner benennen

Keine große Rolle, kein neues Budget. Aber eine klare Zuständigkeit.

Häufiges Muster in KMU: Alle nutzen KI irgendwie, niemand tauscht sich aus, jeder erfindet das Rad neu. Gleichzeitig machen drei Personen denselben Fehler — und niemand weiß davon.

Ein interner Ansprechpartner — das kann die Assistentin der Geschäftsführung sein, ein technikaffiner Mitarbeiter aus dem Vertrieb, jemand aus der Buchhaltung — sammelt, was funktioniert und was nicht. Einmal im Monat kurzes Update ans Team. Mehr braucht es nicht.

Der Aufwand: 1–2 Stunden pro Monat. Der Nutzen: Das Wissen bleibt im Unternehmen, statt mit jedem Mitarbeiter wieder von vorne zu beginnen.

3. Ein konkretes Problem lösen — nicht KI einführen

Der häufigste Fehler: Man sucht nach Anwendungsfällen für KI, statt nach Lösungen für eigene Probleme.

Besser umgekehrt vorgehen. Welche Aufgabe kostet uns im Monat am meisten Zeit, obwohl sie eigentlich keine hohe Qualifikation erfordert? Das ist der Startpunkt.

Typisches Beispiel: Ein Handwerksbetrieb verschickt monatlich 40–60 Angebote. Das Schreiben dauert jeweils 20–30 Minuten. Mit einer gut aufgebauten Vorlage und einem KI-Tool lässt sich das auf 5–8 Minuten reduzieren. Das sind im Jahr 15–25 Stunden — eine halbe Arbeitswoche, zurückgewonnen.

Kein großes Projekt. Kein Budget. Nur eine klare Aufgabe und die Bereitschaft, die ersten zwei Wochen etwas langsamer zu arbeiten, bis die neue Methode sitzt.


Was Sie 2026 lassen sollten

Genauso wichtig wie der Plan: Was kommt nicht auf die Liste.

KI-Strategie ohne konkreten Auslöser. Wenn kein spezifisches Problem dahintersteht, landet das Dokument in der Schublade. Strategie entsteht aus gelebter Praxis — nicht umgekehrt.

Tool-Wechsel um des Wechselns willen. Wer mit ChatGPT oder Copilot arbeitet und damit Ergebnisse erzielt, braucht 2026 kein neues Tool. Der Produktivitätsgewinn liegt im Können, nicht im Produkt.

KI als Lösung für Probleme, die eigentlich Führungsprobleme sind. Häufiges Muster: Unklare Zuständigkeiten, schlechte Kommunikation, fehlende Prozesse — und man hofft, KI richtet das. Das funktioniert nicht. KI verstärkt bestehende Strukturen, sie repariert sie nicht.

Zu früh zu viel Geld ausgeben. Die meisten KMU-relevanten KI-Anwendungen laufen auf bestehenden Tools, die ohnehin schon bezahlt werden — Microsoft 365 Copilot, Google Workspace, oder ein monatliches Abo für 20–30 Euro. Bevor man in teure Lösungen investiert, sollte das Handwerk sitzen.


Ein ehrlicher Blick auf den Zeitaufwand

Ich erlebe regelmäßig, dass KMU-Inhaber KI wollen, aber keinen Zeitpuffer für das Einlernen einplanen.

Realistische Zahlen:

  • Eine neue KI-Routine sinnvoll einzuführen und zu verankern: 3–5 Stunden in den ersten zwei Wochen
  • Einen Mitarbeiter auf ein Tool einzuschulen: 2–4 Stunden, je nach Vorwissen
  • Eine saubere Prompt-Vorlage für wiederkehrende Texte zu entwickeln: 1–2 Stunden einmalig

Das ist überschaubar. Aber es ist Zeit, die man bewusst einplanen muss — nicht zwischen zwei Terminen.


Was ich für 2026 empfehle: Die 90-Tage-Logik

Statt Jahrespläne, die im März scheitern: Quartalsvorhaben, die man wirklich umsetzt.

Jänner bis März: Eine Routine einführen. Fokus auf eine einzige Aufgabe, die KI regelmäßig übernimmt oder unterstützt. Ergebnis: eine messbare Zeitersparnis.

April bis Juni: Interne Weitergabe. Was funktioniert, wird dokumentiert und einer weiteren Person im Betrieb zugänglich gemacht.

Juli bis September: Ein zweites Problem angehen. Mit der Erfahrung aus dem ersten Quartal geht das schneller.

Oktober bis Dezember: Bilanz ziehen. Was hat geholfen, was hat Zeit gekostet, was kommt 2027 auf die Liste?

Kein großes Programm. Vier klare Phasen, jede mit einem konkreten Ergebnis.


Meine persönliche Einschätzung

Die KMU, die 2025 mit KI am weitesten gekommen sind, hatten eines gemeinsam: Sie haben nicht auf den perfekten Einstieg gewartet. Sie haben eine konkrete Aufgabe genommen, ein Tool ausprobiert, geschaut was herauskommt — und dann entschieden, ob es sich lohnt.

Diese Haltung braucht es 2026 auch. Nicht Strategie zuerst, sondern Erfahrung zuerst. Aus Erfahrung wird Urteilsvermögen. Aus Urteilsvermögen wird eine Strategie, die trägt.

Ein gutes neues Jahr — und konkrete erste Schritte statt großer Pläne.

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